Leistungsbeschreibung
Im Föderalen Informationsmanagement ist die Leistungsbeschreibung das finale Endprodukt des Bausteins Leistungen und die maßgebliche Informationsquelle für Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen. Sie enthält vollständige, verständliche und rechtssichere Informationen zur Inanspruchnahme einer Verwaltungsleistung – von den Voraussetzungen über den Ablauf bis hin zu den konkreten Ansprechpartnern vor Ort. Konzeptionell entsteht die Leistungsbeschreibung, indem ein bundesweit zentraler Stammtext um lokale, föderale Vollzugsinformationen erweitert wird, wodurch die konkrete Anwendbarkeit vor Ort gewährleistet ist. Für die digitale Verwaltung ist die Leistungsbeschreibung von höchster Bedeutung, da sie als standardisiertes Informationspaket im Portalverbund ausgetauscht wird und eine Kernanforderung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) darstellt.
Entstehung einer Leistungsbeschreibung
Die Entstehung einer Leistungsbeschreibung kann als Ergänzungsprozess verstanden werden, bei dem eine zentrale Vorlage, der Stammtext, dezentral vervollständigt wird. Die Verantwortung für die Finalisierung liegt dabei bei den vollziehenden Stellen auf Landes- und Kommunalebene.
Im ersten Schritt nutzen die zuständigen Redakteurinnen und Redakteure den Stammtext als verbindliche und qualitätsgesicherte Vorlage. Anschließend werden die für den eigenen Zuständigkeitsbereich relevanten lokalen Vollzugsinformationen ergänzt. Diese umfassen alle spezifischen Angaben, die bei der Inanspruchnahme einer Leistung vor Ort benötigt werden, wie beispielsweise die genaue Adresse der zuständigen Behörde, deren Öffnungszeiten oder Links zu landeseigenen Onlinediensten.
Nach einer fachlichen und methodischen Prüfung wird die vollständige Leistungsbeschreibung veröffentlicht. Dieser Entstehungsprozess stellt sicher, dass die bundesweite Einheitlichkeit gewahrt bleibt, während gleichzeitig eine vor Ort nutzbare Leistungsinformation entsteht.
Aufbau und Inhalt einer Leistungsbeschreibung
Da die Leistungsbeschreibung auf dem Stammtext aufbaut, teilen sie sich die modulare Grundstruktur. Diese stellt sicher, dass alle Informationen einer Leistung standardisiert erfasst und für verschiedene Ausgabekanäle aufbereitet werden können. Dazu zählen zum Beispiel Portale oder die Bürgerauskunft 115. Der wesentliche Unterschied zwischen dem Stammtext und der Leistungsbeschreibung besteht in der Ergänzung um konkrete Vollzugsinformationen, die für die antragstellende Person vor Ort relevant sind. Eine Übersicht der die Leistung beschreibenden Module ist auf der Stammtext-Seite zu finden. Eine detaillierte Beschreibung ist auf der Seite Leistungen nachzulesen.
Die Stamminformationen, die vor der Erstellung der Leistungsbeschreibung zusammengetragen werden, beantworten vorrangig die Frage „Was ist das für eine Leistung?“. Die Informationen, die im Entstehungsprozess der Leistungsbeschreibung ergänzt werden, beschäftigen sich hingegen primär mit der Frage „Wie und wo kann ich die Leistung in Anspruch nehmen?“.
Leistungssteckbrief, Stammtext und Leistungsbeschreibung sind nicht als voneinander abgegrenzte Einheiten zu betrachten. Auch innerhalb des Erstellungsprozesses der Leistungsbeschreibung können durch die Ausführungsvorschriften der Länder beispielsweise Informationen aus dem Stammtext für die betreffende Leistung angepasst werden.
Zudem gibt es bei Typ 1 Leistungen (Bund regelt und vollzieht) keine föderale Ergänzung durch Länder oder Kommunen. In diesem Szenario existiert formal kein Stammtext, da die Stamminformationen direkt in der Leistungsbeschreibung aufgehen. Ähnliches gilt für rein landesrechtliche (Typ 4a) Leistungen oder kommunale (Typ 5) Leistungen. Die nachstehende Grafik verdeutlicht diese Unterscheidung anhand der Typisierung.
Ergänzung lokaler Vollzugsinformationen
Die lokalen Vollzugsinformationen einer Leistung werden von der zuständigen vollziehenden Stelle in strukturierten Objekten, ebenfalls aus Modulen bestehend, gesammelt.
In seltenen Fällen kommt es vor, dass Vollzugsinformationen auf einer bundesrechtlichen Grundlage beruhen. Dann werden diese als Informationen im Stammtext behandelt.
Organisationseinheiten
Die Module des Objekts Organisationseinheiten umfassen die zuständige Stelle und/oder den Ansprechpunkt mit allen relevanten Kontaktdaten.
- Bezeichnung: Definiert den offiziellen Namen der zuständigen Stelle und/oder des Ansprechpunkts.
- Kontakt und Verkehr: Enthält Kommunikationsdaten wie Besucheradresse, Postanschrift und Telefonnummer.
- Öffnungszeiten: Listet die Öffnungs- und Servicezeiten der Organisationseinheit auf.
- Zahlungsinformationen: Definiert die unterstützten Zahlungsweisen vor Ort.
- Zuständigkeit (Gebiet): Gibt das geografische oder sachliche Zuständigkeitsgebiet der Organisationseinheit für die Leistung an.
Formulare (offline)
Im Objekt Formulare schaffen die Module einen umfangreichen Verweis auf spezifische, regional oder kommunal verwendete Formulare.
- Kurzbezeichnung: Definiert eine kurze, prägnante Bezeichnung des Formulars.
- Bezeichnung: Definiert den vollständigen, offiziellen Titel des Formulars.
- Formulardokument: Enthält den Verweis (URL) auf die herunterladbare Formulardatei.
- Formularnummer: Gibt die offizielle Nummer des Formulars an.
- Versandformate: Listet die möglichen Einreichungswege für das Formular auf.
- Beschreibung: Enthält eine kurze, aussagekräftige Beschreibung des Formularzwecks.
- Hinweis: Bietet Platz für Ausfüllhinweise oder Verweise auf Merkblätter.
Onlinedienste
Um auch Informationen für eine digitale Abwicklung der Leistung bereitzustellen, kann mit den Modulen im Objekt Onlinedienst auf verfügbare Onlinedienste der zuständigen Stelle verwiesen werden.
- Bezeichnung: Definiert den Linktext, unter dem der Onlinedienst veröffentlicht wird.
- Link: Enthält die URL, die direkt zum Onlinedienst führt.
- Beschreibung: Enthält eine allgemeine Beschreibung des Onlinedienstes.
- Hilfetext: Bietet Hinweise zur Nutzung des Onlinedienstes (zum Beispiel zu technischen Voraussetzungen).
- Zahlungsmethode: Listet die im Onlinedienst verfügbaren Online-Zahlungsmethoden auf.
- Vertrauensniveau: Definiert das für die Nutzung erforderliche Vertrauensniveau gemäß eIDAS.
- Identifizierung: Gibt die zulässigen Mittel zur Authentifizierung und Identifizierung an.
- Sprachen außer Deutsch: Listet alle zusätzlich angebotenen Sprachen des Onlinedienstes auf.
- Gültigkeitsgebiet: Definiert das Gebiet, für das der Onlinedienst genutzt werden kann.
Objekte können innerhalb einer Leistungsbeschreibung mehrfach angelegt werden. Gibt es beispielsweise mehrere zuständige Stellen oder Formulare für die Leistung, wird für jede dieser Einheiten ein eigenes Objekt mit den entsprechenden Modulen befüllt.
Technische Aspekte
Aus technischer Sicht ist die Interoperabilität der entscheidende Aspekt einer Leistungsbeschreibung. Ziel ist es, sicherzustellen, dass die vollständigen und lokal angereicherten Leistungsinformationen deutschlandweit zwischen verschiedenen Systemen standardisiert ausgetauscht werden können.
Dafür kommt der XÖV-Standard XZuFi zum Einsatz. Dieser legt das technische Datenaustauschformat fest. So muss eine Leistungsbeschreibung in einer maschinenlesbaren XML-Struktur übermittelt und im Redaktionssystem als eine valide XZuFi-Datei exportiert werden können. Dies stellt sicher, dass alle für die Leistung relevanten Informationen vollständig und von Portalen oder Fachverfahren korrekt verarbeitbar sind.
- Die Leistungsbeschreibung ist die finale für Bürgerinnen, B ürger und Unternehmen sichtbare und gültige Information einer Verwaltungsleistung.
- Eine Leistungsbeschreibung entsteht, indem ein zentraler Stammtext um spezifische, lokale Vollzugsinformationen ergänzt wird.
- Die Verantwortung für die Anreicherung und Pflege der lokalen Daten liegt bei den vollziehenden Stellen auf Landes- und Kommunalebene.
- Die Leistungsbeschreibung folgt wie der Stammtext einer modularen Grundstruktur, wobei die Module in den Objekten Leistungen, Organisationseinheiten, Formulare (offline) und Onlinedienste strukturiert und zusammengefasst werden.