FIM-BPMN
Für die Modellierung der Stammprozesse wird in FIM die Modellierungssprache „Business Process Modell and Notation“ in der Version 2.0 (BPMN 2.0) verwendet. Die BPMN 2.0 wurde 2011 von der „Object Management Group“ (OMG) als Standard verabschiedet und ist seit 2013 in der ISO/IEC 19510:2013 als internationaler Standard anerkannt.
In der FIM-Methodik ist die BPMN speziell für die Anwendung in der öffentlichen Verwaltung und für die Einhaltung eines einheitlichen Detaillierungsgrades bei der Erstellung von Stammprozessen angepasst worden: Die Nutzung der BPMN innerhalb der FIM-Methodik wird auf eine definierte Menge von zulässigen Notationselementen eingeschränkt. Diese sind in der folgenden Abbildung zusammengefasst dargestellt.

Eine Beschreibung der einzelnen Notationselemente finden Sie in der nachfolgenden Tabelle.
| Element | Bezeichnung | Symbol |
|---|---|---|
| Ausführende Behörde (Pool) | Eine ausführende Behörde wird verwendet, um zu veranschaulichen, dass bestimmte Aktivitäten dieser Behörde zugeordnet sind. Die Aktivitäten in einem Prozess können auf mehrere ausführende Behörden (als Prozessteilnehmer) aufgeteilt sein. | |
| Ausführende Stelle (Lane) | Eine ausführende Stelle kann verwendet werden, wenn in der Rechts- oder Verwaltungsvorschrift die Verantwortlichkeiten für die Aktivitäten innerhalb der ausführenden Behörde konkretisiert wurden. | |
| Zugeklappter Pool | Zugeklappte Pools verbergen die Prozessdetails von Prozessteilnehmern, welche nicht der öffentlichen Verwaltung zugehörig sind, wie z. B. Bürger oder Unternehmen. Der konkrete Ablauf, wie diese Prozessteilnehmer mitwirken, ist aus FIMSicht nicht relevant. Sofern ein Prozessteilnehmer eine Behörde darstellt, sind die entsprechenden Prozessdetails in einem aufgeklappten Pool zu modellieren. | |
| Referenzaktivitätengruppen (RAG) | Im Stammprozess werden Aktivitäten basierend auf vordefinierte, verwaltungsspezifische Typen, sogenannte Referenzaktivitätengruppen (RAG), verwendet. Diese Aktivitäten haben einen einheitlichen Detaillierungsgrad und bündeln thematisch zusammengehörige Prozess-Elemente, wie z. B. feingliedrigere Aufgaben. Eine FIM-Referenzaktivitätengruppe wird durch das BPMN-Element „Teilprozess“ abgebildet. Der jeweilige Typ wird durch ein zusätzliches Piktogramm rechts oben am Element „Teilprozess“ veranschaulicht. | |
| Strukturierungs-Teilprozess | Zur Strukturierung des Stammprozesses können Prozess-Elemente auch durch nicht-typisierte Teilprozesse (Strukturierungsteilprozesse) zusammengefasst werden. Diese müssen aber in ihrer tiefsten Detaillierungsebene ausschließlich aus RAGs und entsprechenden FIM-BPMN-Elementen bestehen. | |
| Aufruf-Element | Angrenzende Stammprozesse werden im Stammprozessmodell über das Aufruf-Element abgebildet. Der angrenzende Stammprozess wird in einem separaten Pool platziert, um die Schnittstelle visuell hervorzuheben. Der Nachrichtenfluss zum angrenzenden Stammprozess ist ein Indiz für den Bedarf eines Dokumentsteckbriefs und eines Stammdatenschemas. Das Aufruf-Element wird andererseits auch für wiederverwendbare Strukturierungs-Teilprozesse verwendet. In diesem Fall bleibt das Element im Pool. | |
| Kontrollfluss | Ein Kontrollfluss verbindet in einem Pool die Elemente untereinander, um festzulegen, in welcher Reihenfolge die Elemente (in einem Pfad) auszuführen sind. | |
| Nachrichtenfluss | Ein Nachrichtenfluss wird verwendet, um einen Informationsaustausch mit einer anderen ausführenden Behörde (aufgeklappter Pool) oder einem Bürger oder einem Unternehmen (zugeklappter Pool) zu veranschaulichen. | |
| Startereignis | Das Startereignis initiiert den Prozessfluss durch eine nicht näher beschriebene Auslösebedingung. | |
| Nachrichten- Startereignis | Das Nachrichten-Startereignis löst den Prozessfluss genau dann aus, wenn eine Nachricht eintrifft. | |
| Zeit- Startereignis | Das Zeit-Startereignis initiiert den Prozessfluss, wenn periodische, zeitliche Ereignisse, Zeitpunkte, Zeitspannen oder Zeitüberschreitungen stattfinden. | |
| Zeit- Zwischenereignis | Das Zeit-Zwischenereignis verzögert den Prozessfluss solange bis ein bestimmter Zeitpunkt erreicht oder eine festgelegte Zeitspanne verstrichen ist. Als Randereignis an einer Referenzaktivitätengruppe unterbricht es die Aktivitätengruppe, sobald ein bestimmter Zeitpunkt erreicht oder eine festgelegte Zeitspanne verstrichen ist. Beispielsweise unterbricht das Zeit-Randereignis die Referenzaktivitätengruppe „Beteiligung durchführen“, sofern eine Rückmeldung (eingehender Nachrichtenfluss) nicht innerhalb einer festgelegten Frist eingetroffen ist. | |
| Nachrichten- Zwischenereignis | Das Nachrichten-Zwischenereignis wartet auf den Empfang einer Nachricht und setzt daraufhin den Prozessfluss fort. Das Nachrichten-Zwischenereignis darf nur direkt nach einer exklusiven ereignisbasierten Verzweigung verwendet werden. Ansonsten ist die Referenzaktivitätengruppe „Information empfangen“ zu wählen. | |
| Endereignis | Das Endereignis steht für das Ende eines Pfades in einem Stammprozess (Endzustand). | |
| Exklusive datenbasierte Verzweigung | Es handelt sich bei dieser Verzweigung um eine datenbasierte Fallunterscheidung. Abhängig von den bestehenden Prozessdaten wird der Prozessfluss an genau einem Pfad weitergeleitet. Vor der exklusiven Verzweigung ist stets eine entsprechende FIM-RAG zu modellieren, die zu einer Fallunterscheidung führt. Die Bedingungsfrage wird dann direkt an der Verzweigung platziert. Bei der Zusammenführung wird auf einen der eingehenden Pfade gewartet, um den Prozessfluss fortzuführen. | |
| Exklusive ereignisbasierte Verzweigung | Für die Modellierung einer ereignisbasierten Fallunterscheidung wird diese Verzweigung gewählt. In der Regel folgen dieser Verzweigung zwei oder mehr eintretende Zwischenereignisse. Es wird genau der nachfolgende Pfad ausgeführt, bei dem das nachfolgende Zwischenereignis zeitlich zuerst eintritt. | |
| Parallele Verzweigung | Bei dieser Verzweigung werden sämtliche nachfolgenden Pfade gleichzeitig ausgeführt. Bei der Zusammenführung wird auf alle eingehenden Pfade gewartet, bevor der Prozessfluss fortgesetzt wird. | |
| Inklusive datenbasierte Verzweigung | Die inklusive Verzweigung leitet den Prozessfluss in Abhängigkeit von den bestehenden Prozessdaten an mindestens einen Pfad weiter. Es können auch mehrere nachfolgende Pfade gleichzeitig ausgeführt werden. Bei der Zusammenführung wird auf alle eingehenden aktiven Pfade gewartet. | |
| Datenspeicher | Der Datenspeicher ermöglicht dem Prozess das Lesen oder dauerhafte Speichern von Daten. Er existiert unabhängig von der Lebensdauer der Prozessinstanz, z.B. eine Datenbank oder ein Aktenschrank. | |
| Textanmerkung | Jedes Element kann durch eine Textanmerkung kommentiert werden. |