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Methodische und technische Handlungsempfehlungen

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Symbol: Zahnrad, Schraubendreher und Schraubenschlüssel Diese Seite ist vorwiegend für technisch orientierte Nutzende relevant.

FIM-Methodik (FIM) vs. XÖV-Rahmenwerk (XÖV): Ein Vergleich

Die Gemeinsamkeiten

  • Sowohl FIM als auch XÖV haben das Ziel, die öffentliche Verwaltung bei der Digitalisierung von Verwaltungsverfahren zu unterstützen.
  • Beide Ansätze stellen methodische Grundlagen und unterstützende Werkzeuge zur Spezifikation von Datenstrukturen bereit, mittels derer die Übermittlung von Daten in Verwaltungsverfahren geregelt wird.
  • Die ausgetauschten Daten werden jeweils durch Prozesse in Beziehung gesetzt.
  • In beiden Vorgehensweisen wird semantische Harmonisierung durch die Wiederverwendung von Bauelementen und Vorlagen realisiert.

Beiden Methoden standardisieren somit den Austausch von Daten innerhalb der Verwaltungsverfahren und tragen zur semantischen Harmonisierung bei.

Die Gemeinsamkeiten im Überblick:

FIM und XÖV: Gemeinsamkeiten

Die Unterschiede

  • XÖV-Standards regeln im Wesentlichen die nachrichtenbasierte Datenübermittlung zwischen Behörden.

  • FIM dagegen legt den Fokus auf die Datenübermittlung zwischen Unternehmen und Bürger:innen auf der einen Seite und den Behörden auf der anderen Seite. Dies gilt insbesondere für die Auslöser der Verwaltungsprozesse, beispielsweise Anträge oder Anzeigen.

  • Die FIM-Methodik regelt, dass die Modellierung von FIM-Stamminformationen (FIM-Stammdatenschema, FIM-Stammprozesse und FIM-Stammtexte) aus den Handlungsgrundlagen eines Verwaltungsverfahrens abgeleitet werden müssen. Alle Anforderungen, die über die Handlungsgrundlagen hinausgehenden, können darauf aufbauend als (OZG-)Referenzinformationen spezifiziert werden.

  • Obgleich auch bei einem XÖV-Standard davon ausgegangen werden kann, dass neben den gesetzlichen Grundlagen die erweiterten Anforderungen der jeweiligen Bedarfsträger umgesetzt werden, ist eine strikte Trennung im Sinne der FIM-Stamm- und Referenzinformationen im XÖV-Rahmenwerk nicht geregelt und bleibt somit den individuellen XÖV-Standards überlassen.

Die Unterschiede zwischen FIM und XÖV im Überblick

Koordinierte Erstellung von FIM- und XÖV-Ergebnissen

FIM und XÖV verfolgen das Ziel Datenaustausch zu standardisieren, um medienbruchfreie Prozesse zu unterstützen. Bei der Zielerreichung betrachten FIM und XÖV oft gleiche Verwaltungsverfahren aus unterschiedlichen Perspektiven. Ein Abgleich zwischen den spezifizierten Inhalten (primär FIM-Datenschemata und XÖV-Nachrichten) mit Hilfe einer abgestimmten Vorgehensweise ist daher unerlässlich.

Dies lässt sich an einem Beispiel verdeutlichen.

Prozess „Waffenbesitzkarte für Sportschützen beantragen“

Wie in der nachfolgenden Grafik angedeutet, müssen im Rahmen des Prozesses

  • verschiedene Registerabfragen (zum Beispiel bei Melderegister und Bundeszentralregister) durchgeführt werden und
  • im Genehmigungsfall eine Meldung an das nationale Waffenregister erfolgen

Der Prozess „Waffenbesitzkarte für Sportschützen“ (auszugsweise)

Die Kommunikation mit den im Beispiel genutzten Registern erfolgt über Schnittstellen. Diese sind der XÖV-Standards XMeld und XWaffe spezifiziert.
Um Medienbrüche zu verhindern, sind die Daten zur Kommunikation mit diesen Registern in geeigneter Form zu erheben. Das bedeutet, dass bereits im FIM-Datenschema zum Antrag die Daten in einer Form spezifiziert werden, die zu den später im Prozess benötigten Informationen passen. Der Antrag muss sich also möglichst weitgehend an den Datenstrukturen der Registerschnittstellen orientieren.
Im Antrag wird dazu beispielsweise zur Angabe des Kalibers der Waffe die gleiche Codeliste verwendet, wie sie zur Übermittlung des Kalibers an das nationale Waffenregister im XÖV-Standard XWaffe verwendet wird.

FIM-Methodik und XÖV-Rahmenwerk: Zusammenhang zwischen den Elementen

Im Folgenden werden die Überschneidungen von Modellobjekten in XÖV und FIM im Detail vorgestellt:

  • Ein auf dem XÖV-Rahmenwerk basierender XÖV-Standard bildet verschiedene XÖV-Nachrichten zur zwischenbehördlichen Datenübermittlung in einer Fachlichkeit ab. Diese Nachrichten sind in Prozesse integriert, die eine Verwaltungsleistung repräsentieren. Alle Verwaltungsleistungen sind der Fachlichkeit zuzuordnen, zum Beispiel:
    • Registereintrag anlegen
    • Registereintrag ändern
    • Registereintrag löschen
    • Registerauskunft erteilen
  • Jede dieser Verwaltungsleistungen ist eine FIM-Leistung und durch einen Leistungsschlüssel identifiziert. Zu jeder dieser FIM-Leistungen kann ein FIM-Prozess mit Prozess-ID existieren, der die Erbringung der Leistung aus Sicht der Verwaltung beschreibt.
  • Der FIM-Prozess kommuniziert mit anderen Prozessen über Nachrichten. Über diese Nachrichten werden im Sinne der FIM-Methodik Dokumente (im Sinne von Datenstrukturen) ausgetauscht.
    Über dieses Verfahren gehen beispielsweise Informationen ein oder sie werden darüber bereitgestellt. Ebenso werden Beteiligungen (Anfrage, Antwort) darüber durchgeführt.

Prozess „Waffenbesitzkarte für Sportschützen“, Ausschnitt Beteiligung Melderegister

Diese FIM-Dokumente werden durch FIM-Dokumentsteckbriefe (nur Metadaten) oder durch FIM-Datenschemata (inkl. Struktur) repräsentiert. Diese FIM-Dokumente sind daher äquivalent zu einer XÖV-Nachricht.
Der Aufbau (Datenstruktur) einer XÖV-Nachricht hat dieselbe Aufgabe wie ein FIM-Datenschema. Die (XÖV-)Datenstrukturen, aus denen sich eine XÖV-Nachricht zusammensetzt, sind demnach äquivalent zu den FIM-Baukastenelementen, Datenfeldern und Datenfeldgruppen, die zur Bildung eines FIM-Datenschemas dienen.

Auszugsweise Darstellung der Datenfelder, die für den Vorgang "Gewerbe-Anmeldung" verwendet werden

Um den Wertebereich atomarer Elemente näher zu spezifizieren, können Codelisten zum Einsatz kommen. XÖV-Standards können diese Codelisten auf vier unterschiedlich Arte verwenden (Nutzungstyp 1 bis 4). Alle im XÖV-kontext erstellten und verwendeten Codelisten müssen über das XRepository bereitgestellt werden.
FIM orientiert sich stark an den XÖV-Definitionen zur Ausgestaltung und Nutzung von Codelisten und kann auch deren Verwendung durch die XÖV-Standards abbilden. Für wiederzuverwendende FIM-Codelisten wird die Identifikation aus dem XÖV-Kontext verwendet und auf das XRepository referenziert.

Die folgende Grafik gibt eine zusammenfassende Übersicht der Äquivalenzen.

Übersicht der Äquivalenzen zwischen FIM und XÖV

Referenzierung zwischen FIM und XÖV

Die konsequente Referenzierung von Handlungsgrundlagen ist in der FIM-Methode unabdingbare Voraussetzung für eine transparente, begründete Modellierung und Basis für die Pflege von FIM-Informationen (siehe dazu auch Pflege von FIM-Datenschemata. Essentiell ist dabei, dass die Handlungsgrundlagen feingranular spezifiziert werden, da ansonsten die Feststellung von Änderungsbedarfen erheblich erschwert wird. Beispielsweise sollten Verweise auf Gesetze so fein wie sinnvoll möglich erfolgen, zum Beispiel bis auf Absatzebene § 70 (1) IfSG.
Aus den oben genannten Gründen müssen auch im Zusammenspiel zwischen FIM und XÖV Verweise von äquivalenten oder ähnlichen Elementen zwischen FIM und XÖV in geeigneter Form angegeben werden.
In den beiden äußeren Spalten der folgenden Tabelle sind die Modellierungselemente der beiden Methodiken dargestellt. in den beiden inneren Spalten wird erläutert, wie diese untereinander referenzieren.

Zusammenhang der Modellierungselemente zwischen FIM und XÖV

Harmonisierung bereits bei der Spezifikation sicherstellen

Neuerstellung

Erstellung von FIM-Datenschemata

FIM-Datenschemata sind bedarfsgerecht zu modellieren. Die Interoperabilität soll dabei bestmöglich unterstützt werden. Dazu ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen

  • den Anforderungen an die Nutzung und
  • den Möglichkeiten der Erstellung

herzustellen. Hierfür müssen drei Bereiche analysiert werden:

Anforderungen, die sich aus den Handlungsgrundlagen unmittelbar ableiten lassen

In den unmittelbaren Handlungsgrundlagen zu einem FIM-Datenschema (beispielsweise einem Wohngelderstantrag) findet man in der Regel Angaben, welche Art von Daten in dem Datenschema enthalten sein müssen, zum Beispiel Angaben zur antragstellenden Person oder Organisation, Angaben zum Wohnraum, etc. Zum Teil werden diese Daten bis auf atomarer Ebene (Felder) spezifiziert. So muss etwa der Nachname, die Vornamen und das Geburtsdatum abgefragt werden. Oft werden darüberhinausgehende Hinweise zu den Wertebereichen dieser Felder (Feldlängen, Codelisten, Plausibilitätsregeln, …) aber nicht gegeben. Um die Wertebereiche möglichst interoperabel zu gestalten, muss im nächsten Schritt der Kontext des Datenschemas analysiert werden.


Anforderungen, die sich aus dem Kontext des Datenschemas ableiten lassen

Der Kontext, in dem ein Datenschemata eingesetzt wird, lässt sich am besten aus den Prozessen ableiten, in denen es erzeugt oder verarbeitet wird. Insbesondere FIM-Datenschemata, die auslösende Dokumente, wie Anträge oder Anzeigen, repräsentieren, werden durch die Prozesse determiniert, in welchen die enthaltenen Daten verarbeitet werden. Dabei muss auf zwei Prozessbestandteile der besondere Fokus gelegt werden:

  • auf Nachrichten, die Daten zu anderen Prozesse übermitteln und
  • auf Systeme, in denen Daten gespeichert werden

Sowohl Nachrichten als auch Systeme spezifizieren meist detailliert die Form der Daten. Als Beispiele können die Kommunikation zu einem Register oder die Zulieferung von Statistikdaten dienen. Zum Beispiel erfolgt die Kommunikation zu einem Register durch eine Beteiligung (Nachrichtengruppe), die aus einer Registeranfrage und einem Registerauszug besteht. Das Datenaustauschformat für die Anfrage als auch die Antwort sind in der Regel sehr detailliert spezifiziert. Häufig erfolgt dies durch einen XÖV-Standard, zum Beispiel Melderegisterauskunft (XMeld) oder Personenstandsregisterauskunft (XPersonenstand).


Generelle Vorgaben zur Umsetzung von Digitalisierungsvorhaben

Die bereits geschilderten Anforderungen lassen sich generell aus den Handlungsanweisungen ableiten. Daneben spielen auch Rahmenbedingungen eine Rolle, die eher dem Umfeld der Digitalisierung geschuldet sind. So ist es zwar nicht zwingend vorgeschrieben, jedoch im Sinne einer Digitaltauglichkeit empfehlenswert, bei Ausgestaltungsspielräumen Vorgaben zentraler Infrastrukturkomponenten, wie etwa aus dem Kontext der Online-Ausweisfunktion oder der Online-Nutzerkonten zu berücksichtigen.



Wenn die vorherige Analyse abgeschlossen wurde ist bekannt, bei welchen Daten es sehr detaillierte Vorgaben gibt und welche Daten einen Ausgestaltungspielraum lassen. Muss man sich zur Erreichung der Interoperabilität an einer Schnittstellendefinition orientieren, sind die dort definierten Datenstrukturen möglichst kompatibel über die FIM-Methodik abzubilden. Dies ist beispielsweise bei Registeranfragen über einen XÖV-Standard der Fall.
Das bedeutet: zu einem Datenelement im Registerstandard gibt es anschließend ein möglichst gleich modelliertes Element in der FIM-Methodik.

Bei der konkreten Spezifikation eines FIM-Datenschemas ist zuerst zu prüfen, ob ein möglichst passendes Baukastenelement bereits in einem zentralen oder lokalen Baukasten vorhanden ist. Ziel ist es passende Baukastenelemente direkt wiederzuverwenden oder sehr ähnliche Baukastenelemente als Vorlage zu nutzen und bedarfsgerecht zu spezialisieren.

Baukästen, welche bereits semantisch und technisch harmonisierte Baukastenelemente enthalten

Eine besondere Quelle für Baukastenelemente sind Baukästen, welche bereits semantisch und technisch harmonisierte Baukastenelemente enthalten. Dies ist beispielsweise bei Baukastenelementen des zentralen FIM-Baukastens BOB oder den XÖV-Kernkomponenten der Fall. Diese Baukastenelemente sind bereits so gestaltet, dass eine breite Verwendung bei möglichst hoher Interoperabilität ermöglicht wird. Wird ein solches Baukastenelement verwendet, muss eine Referenzierung der Handlungsgrundlage erfolgen, auf deren Basis die Verwendung erfolgt. Die Angabe der Handlungsgrundlage erfolgt dabei nicht im Baukastenelement selbst, sondern bei der Verknüpfung des Baukastenelements mit dem übergeordneten Element. Also dort, wo auch die Multiplizitäten angegeben werden (siehe dazu auch Referenzierung zwischen FIM und XÖV).

Neuerstellung von Baukastenelementen

Werden Baukastenelemente neu erstellt, die sich an existierenden Schnittstellen oder Datenstrukturen orientieren, muss eine Referenzierung zu diesen „Originalen“ vorgenommen werden. Die Referenzierung erfolgt innerhalb des Elementes selbst in den Handlungsgrundlagen. So wird Transparenz zur Gestaltungsgrundlage geschaffen und ermöglicht, dass ein Change-Management die Originaldatenstrukturen und die abgeleiteten FIM-Baukastenelemente synchron hält (siehe dazu auch Referenzierung zwischen FIM und XÖV).

Im FIM-Baukasten BOB sind beispielsweise auch bereits Elemente aus dem Kerndatenmodell XUnternehmen enthalten, welche FIM und XÖV-Interoperabilität sicherstellen. Das Kerndatenmodell XUnternehmen beschreibt eindeutig die relevanten semantischen Konzepte (also nicht technisch) des fokussierten Verwaltungsbereichs und ist die Grundlage für die Umsetzung von derzeit knapp 30 Verwaltungsleistungen.

Nachfolgend ein Beispiel eines BOB-Baukastenelementes, welches aus dem Kerndatenmodell XUnternehmen entnommen wurde und von der KoSIT in BOB bereitgestellt wird:

Beispiel für die Definition eines BOB-Baukastenelements (Auszug)

Wie für die Nachnutzung im Allgemeinen gilt auch für alle genannten Beispiele: es empfiehlt sich vorab zu prüfen, ob der Kontext der geplanten Nachnutzung dem Kontext vergleichbar ist, unter dem die zu nutzenden Erzeugnisse entwickelt wurden und fortgeschrieben werden.

Neuerstellung eines XÖV-Standards

Ein XÖV-Standard ist eine formale technische Spezifikation einer nachrichtenbasierten, elektronischen Datenübermittlung innerhalb oder mit der öffentlichen Verwaltung. Ein solcher IT-Standard zur Datenübermittlung muss naturgemäß umfangreichen, komplexen und heterogenen Anforderungen entsprechen, um seinen vollen Nutzen entfalten zu können. Hierzu wurde mit XÖV ein Ansatz geschaffen, die Erfassung, Abbildung und vollständige Umsetzung solcher Anforderungen in einen Standard zur Datenübermittlung systematisch zu unterstützen.

Wie auch bei anderen Rahmenwerken (zum Beispiel im Bereich der Softwareentwicklung) basiert der wesentliche Nutzen des XÖV-Standardisierungsrahmens auf dem Prinzip der Wiederverwendung der mit dem Rahmenwerk kostenfrei bereitgestellten XÖV-Bausteine und Werkzeuge. XÖV-Bausteine liegen in den Bereichen der Datentypen, Kernkomponenten und Codelisten vor. Neben der Nachnutzung der XÖV-Bausteine hat im Kontext dieses Dokuments insbesondere die Nachnutzung von FIM-Datenstrukturen und Codelisten eine hohe Relevanz.

Grundlage der Entwicklung eines XÖV-Standards ist der in der folgenden Abbildung dargestellte modellgetriebene Ansatz, der den Entwicklungsprozess in die drei Phasen Entwurf, Spezifikation und Produktion unterteilt.

Methodischer Ansatz

Die Entwurfsphase

In der Entwurfsphase werden die fachlichen Anforderungen an die geplanten Szenarien zur Datenübermittlung erhoben und im sogenannten Fachmodell abgebildet. Dies geschieht in der Regel in einem moderierten Prozess, in dem die technischen, semantischen, organisatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen und Anforderungen durch die Beteiligten erarbeitet und formalisiert werden. Im Rahmen dieses Prozesses ist eine grundlegende Analyse bereits bestehender Spezifikationen und Standards erforderlich, die im eigenen Standard nachgenutzt werden können oder müssen. Im Ergebnis liegt mit dem Fachmodell eine detaillierte und abgestimmte Darstellung der Kommunikationsprozesse und Datenstrukturen vor.

Die Spezifikationsphase

In der Spezifikationsphase wird das technikneutrale Fachmodel um XÖV-spezifische Details erweitert und konkretisiert. In diesem Sinne kann das Fachmodell als Schnittstelle zwischen fachlicher und technischer Entwicklung verstanden werden. Ziel dieser Phase ist die Integration aller erforderlichen Informationen zum späteren Standard in einem zentralen Informationsmodell, dem sogenannten XÖV-Fachmodell.

Die Produktionsphase

In der abschließenden Produktionsphase werden alle Bestandteile des Standards werkzeuggestützt aus dem XÖV-Fachmodell generiert. Dies umfasst sowohl die technischen Bestandteile zur Implementierung des XÖV-Standards als auch ein menschenlesbares Spezifikationsdokument. Den Abschluss der Produktionsphase bildet die XÖV-Zertifizierung.

Bestehender Spezifikationen und Standards

Mit der Analyse bereits bestehender Spezifikationen und Standards werden bestehende Vorlagen für die im zu entwickelnden XÖV-Standard genutzten semantischen Konzepte ermittelt. Dies erfolgt vor dem Hintergrund aller für den Bereich zutreffenden Handlungsgrundlagen (Gesetze, Verordnungen etc.).
Unter einem semantischen Konzept wird im Kontext dieses Dokuments eine Datenstruktur oder eine Codeliste (inkl. Codelisteneintrag) sowie deren zugehörige Bedeutung verstanden.

Die Nachnutzung bestehender Konzepte kann helfen, die eigenen Entwicklungsaufwände zu reduzieren und gleichzeitig die Qualität zu verbessern. Darüber hinaus kann über die Nachnutzung etablierter und breit abgestimmter Konzepte die technische wie semantische Interoperabilität des eigenen Standards gesteigert werden.

Im Folgenden wird für die Bereiche XÖV und FIM beispielhaft aufgezeigt, an welchen Stellen eine Recherche sinnvoll ist und welche Bausteine sich hierfür eignen.

XÖV-Bausteine

Für den Bereich XÖV ist grundsätzlich zu unterscheiden zwischen

  • Bausteinen, die im Zusammenhang des XÖV-Rahmenwerks direkt durch die XÖV-Koordination bereitgestellt werden
  • Bausteinen, die im Kontext der unterschiedlichen auf dem Rahmenwerk basierenden XÖV-Standards und Codelisten öffentlich bereitgestellt werden
Bausteine des Rahmenwerks

Bausteine des Rahmenwerks sind Datentypen, Kernkomponenten und Codelisten. Zentrale Quelle zum Bezug von Informationen zu den Bausteinen ist die XÖV-Website und deren Unterstruktur zu den jeweiligen Bausteinen. Datentypen und Kernkomponenten werden in der XÖV-Bibliothek zusammengefasst zur Nachnutzung bereitgestellt. Alle in der Bibliothek bereitgestellten Bausteine sind in einem zugehörigen Spezifikationsdokument beschrieben. Die Bereitstellung der Bausteine des Typs Codeliste erfolgt ausschließlich über die Plattform XRepository.

XÖV-Kernkomponenten

Eine besondere Stellung im Kontext der Bausteine des XÖV-Rahmenwerks bilden die XÖV-Kernkomponenten. Sie sind fachübergreifende Datenstrukturen, die die Grundlage für die Ausprägung standardspezifischer Datenstrukturen darstellen können. Typische Beispiele von Kernkomponenten sind die Datenstrukturen zur Abbildung von Anschriften oder Namen natürlicher Personen.
Die Verwendung von Kernkomponenten hilft in einem Vorhaben, eigene fachliche Ausgestaltungen für andere Vorhaben sichtbar und nachvollziehbar zu machen. Zudem helfen die Kernkomponenten und die zugrundeliegende Methodik bei der Gegenüberstellung eigener fachlicher Lösungen mit denen anderer XÖV-Standards, beispielsweise zur konzeptionellen Abstimmung auszutauschender Nachrichten zwischen (zukünftigen) Kommunikationspartnern. Mit der im XRepository gebotenen sogenannten Interopmatrix werden Konzepte der Kernkomponenten den fachlichen Konzepten der XÖV-Standards gegenübergestellt. Diese Darstellung ist für alle neuen Vorhaben eine zentrale Informationsquelle.

Datentypen und Codelisten

Bausteine, die durch die jeweiligen fachlichen XÖV-Standards geliefert werden sind Datentypen und Codelisten.
Datentypen sind, soweit sie in einer Beziehung zu den semantischen Konzepten der Kernkomponenten stehen, auch über die o. g. Interopmatrix recherchierbar. Darüber hinaus gehende Konzepte können über die öffentlich im XRepository bereitgestellten Spezifikationsdokumente der Standards recherchiert werden. Eine Übersicht aller XÖV-Standardisierungsvorhaben und -Standards ist über die Plattform XRepository gegeben.
Codelisten von XÖV-Vorhaben können, wie auch die Codelisten der XÖV-Koordination und Dritten, über das XRepository gefunden und bezogen werden.

Grundsätzlich gilt für alle Nachnutzungsentscheidungen, dass im Zweifelsfall die im XRepository genannten Herausgeber und/oder Ansprechpersonen kontaktiert werden können, um Fragen zum rechtlichen, organisatorischen oder semantischen Kontext des Bausteins und seines Betriebs zu klären.

FIM-Bausteine

FIM-Bausteine sind Baukastenelemente und Codelisten. Die Baukastenelemente können in FIM-Datenschemata oder im zentralen FIM-Baukasten BOB spezifiziert sein. Die FIM-Bundesredaktion kann Baukastenelemente in Form von Stammdatenschemata und BOB-Baukastenelementen spezifizieren. Demgegenüber können OZG-Themenfeldführer:in, OZG-Umsetzungskoordinator:in oder OZG-Leitungsverantwortliche:r Baukastenelemente in Form von Referenzdatenschemata spezifizieren. BOB enthält harmonisierte Baukastenelemente (Feldgruppen und Felder), die fachübergreifend einen breiten Verwendungszweck finden können. Im FIM-Baukasten BOB sind beispielsweise auch Elemente aus dem Kerndatenmodell XUnternehmen enthalten und die Grundlage für die Umsetzung von derzeit knapp 30 Verwaltungsleistungen und zugehörigen XÖV-Standards sind.

Pflege

Pflege von FIM-Datenschemata

Im Kontext von FIM-Datenschemata gibt es zwei grundsätzliche Auslöser für Änderungsbedarfe.
Zum einen können Bedarfsmeldungen von Nutzenden der FIM-Datenschemata Hinweise auf Modellierungsfehler oder gewünschte neue Anforderungen, insbesondere bei Referenzdatenschema, liefern. Da die Bedarfsmeldungen in der Regel recht konkret formuliert werden, kann über das Change-Management gut auf die Änderungsbedarfe reagiert werden.
Zum anderen können sich Anpassungsbedarfe, insbesondere an FIM-Stammdatenschemata, aus der Änderung von relevanten Handlungsgrundlagen ergeben. Solche Änderungen können wiederum auf einer abstrakten, rechtlichen Ebene, zum Beispiel Novellierung eines Gesetzes oder Aktualisierung einer Verordnung beruhen. Weitere, sehr konkrete Auslöser sind Anpassungen einer Registerschnittstelle oder geänderte Zulieferungsvorgaben zur Statistik. Für die Pflege eines FIM-Datenschemas und damit für das Change-Management ist es eine große Herausforderungen Änderungen der Handlungsgrundlagen möglichst spezifisch und frühzeitig festzustellen. Basis ist eine konsequente, feingranulare und methodisch saubere Referenzierung der Handlungsgrundlagen (siehe auch Abschnitt Erstellung von FIM-Datenschemata). Eine technische Unterstützung der Identifikation von potentiellen Änderungsbedarfen von FIM-Informationen wird dabei in der Regel in folgenden zwei Schritten erfolgen:

  1. Je nach Handlungsgrundlage muss ein Benachrichtigungssystem aufgebaut werden, welches (geplante) Änderungen an der Handlungsgrundlage registriert und möglichst feingranular aufbereitet. Beispiele hierfür sind:

    • Identifikation, dass sich das Infektionsschutzgesetz seit der letzten Prüfung geändert hat und welche Paragraphen und ggfs. Absätze betroffen sind
    • Identifikation, dass ein XÖV-Standard in einer neuen Version vorliegt und welche Änderungen es gegeben hat.
  2. Basierend auf der Liste der Änderungen an Handlungsgrundlagen müssen die FIM-Informationen und deren Teile (Prozessschritte, Felder, Feldgruppen, …) identifiziert werden, welche auf die geänderten Handlungsgrundlagen referenzieren. Diese Informationen müssen den FIM-Verantwortlichen zur Verfügung gestellt werden.

Auf Basis dieser Informationen (Liste von Änderungen der Handlungsgrundlagen) müssen die für die Pflege einer FIM-Information Verantwortlichen bewerten, ob eine Anpassung der FIM-Informationen erfolgen muss oder nicht.
Es wurde bereits eine Anforderung spezifiziert, eine solche Funktion zur Unterstützung des Change-Managements des FIM-Bausteins Datenfelder in das Sammelrepository des FIM-Bausteins aufzunehmen. Eine Machbarkeitsanalyse und Konzeption stehen noch aus, sodass es noch keine Prognosen zu einer Verfügbarkeit gibt.